Von Denk- und Ehrenmalen                                            Einleitung

 

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in Ehrenmal oder Denkmal ist ein architektonisches, monumentales Bauwerk von allgemeiner kulturhistorischer Bedeutung. Es ist immer aus besonderen Anlässen entstanden und dient meist zur Erinnerung an historische Ereignisse oder an bestimmte Personen. Es kann gleichzeitig zur Mahnung dienen, Geschehenes nicht vergessen zu lassen. Solche Denkmale sind in Form einer Inschriftentafel, eines Gedenksteines, eines Standbildes oder eines Bildnisses errichtet worden. Denkmale in Form von Standbildern oder Siegessäulen sind bereits seit der Antike bekannt.

Erste Ursprünge des Denkmals liegen in vorgeschichtlichen Grab- und Kulturstätten (Megalithen, z.B. in Stonehenge[GB]). Im antiken Ägypten waren es Pyramiden (Gizeh) oder monumentale Skulpturen, wie z.B. die Sphinx.

Denkmale wurden vom Christentum des Mittelalters abgelehnt und spielten in der Kunst dieser Epoche keine Rolle.

Darum hat das Mittelalter außer Grabplatten (Stelen) nur wenige, doch aber so bedeutende Denkmale hervorgebracht wie den so genannten „Magdeburger Reiter“, den „Bamberger Reiter“ oder das Reiterdenkmal Heinrich des Löwen in Braunschweig.

Das Reiterdenkmal entwickelte sich als eine besonders repräsentative Form, das bis in die Spätzeit des Klassizismus das politische Machtdenken seines jeweiligen Auftraggebers sinnfällig ausdrückte.

Im 19. Jahrhundert ist das Denkmal in fast allen europäischen Ländern künstlerisch entartet. Eine Übersteigerung der herkömmlichen Denkmalsidee war das meist in gewaltigen Abmessungen angelegte Nationaldenkmal in Form von Ruhmeshallen, so z.B. die Ruhmeshalle bei Regensburg, die Walhalla. Sie ist erbaut von 1830-1842 durch Architekt Leo von Klenze im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. nach dem Vorbild des Partheneons, einer Halle der Akropolis in Athen. Der Name „Walhalla“ geht auf das altnordische „Valhöl“ zurück - und damit ist die „Halle der Gefallenen“ gemeint, in die der nordische Gott Odin seine gefallenen Recken zusammenrief.

Derartige (Über)-Dimensionen weisen in Deutschland oft auch die zahlreichen Siegessäulen und Bismarck-Denkmale auf, die in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden sind. Die Gefallenendenkmale nach dem 1. Weltkrieg waren meist in schlichteren Formen gehalten.

In Deutschland widmete man den Helden schon seit Jahrhunderten Siegessäulen, gefallener Krieger gedachte man jedoch nicht. Für die Kriegsopfer hat es Gedächtnismale im heutigen Sinne nicht gegeben. Vereinzelt wurde der fern der Heimat gefallenen Ritter von Angehörigen auf Gedächtnistafeln gedacht. Die Allgemeinheit errichtete aber erstmals 1793 in Frankfurt/Main ein Ehrenmal für gefallene Soldaten.

Nach den Befreiungskriegen von 1813-1815, zu denen auch die Völkerschlacht bei Leipzig (16.-18.10 1813) und die Schlacht von Waterloo (18.06.1815) gehören, wurden Tafeln zum Gedächtnis an die im Kampf gegen die Unterdrücker gefallenen Soldaten angebracht.

Nach dem dt./frz. Krieg von 1870/71 waren es vor allem Obelisken und Siegessäulen, die von einem preußischen Adler gekrönt wurden, oder Denkmale mit einem unter wehender Fahne vorwärts strebendem Krieger, die als Siegeszeichen errichtet worden waren.

 

 

 

 

 

 

Nachdem in der traurigen Geschichte der Kriege die Soldaten mehr oder weniger Mann gegen Mann gekämpft hatten, dort aber auch schon zunehmend Sprengstoffe und Kanonen zum Einsatz kamen, stellte der 1. Weltkrieg völlig neue Anforderungen an Mensch und Material. Gepanzerte Fahrzeuge, Giftgase und immer stärker werdende Luftkämpfe machten den Ersten Weltkrieg zu einem Schauplatz des bis dahin nicht gekannten Grauens. Entsprechend groß fielen die Opferzahlen aus.

Auf Seiten der Mittelmächte hatten 24,2 Mio. Soldaten an den Kämpfen teilgenommen, auf Seiten der Alliierten 42,9 Millionen. Rund 10 Mio. waren gefallen, 20 Mio. verwundet worden und 6,5 Mio. gerieten in Gefangenschaft.

Allein die Verluste Deutschlands beliefen sich auf 1,8 Mio. Tote und 4,2 Mio. Verwundete sowie 600.000 Mio. Kriegsgefangene. Dem anschließenden Nahrungsmangel, bedingt durch die Blockade Deutschlands durch die Alliierten, fielen nochmals 750.000 Menschen zum Opfer.

3,2 Mio. Tote zählten die Alliierten und 5,4 Mio. Tote rechnet man den so genannten Mittelmächten zu.

Mehr als 3,3 Mio. alliierte Soldaten kamen in Kriegsgefangenschaft, davon allein 1,4 Mio. russische Soldaten gegenüber 600.000 deutschen Soldaten.

Nach den vielen Opfern, die der 1. Weltkrieg kostete, konnten die Ehrenmale danach nicht mehr den Vorbildern der Kriegsehrenmale des vorigen Jahrhunderts entsprechen. Die Euphorie und das Pathos, welche beim Auszug der Soldaten 1914 noch echt waren, es aber nach 1918 nicht mehr sein konnten, waren Ausdruck der danach errichteten Denkmale. Verhaltene Trauer war nun das Gestaltungsmotiv.

 

Im Zweiten Weltkrieg sind bis dahin unvorstellbare Größen geschaffen worden und das Grauen des Ersten Weltkrieges sollte sich als das weitaus Geringere herausstellen. Es konnte sich bisher wohl niemand vorstellen, dass in einem Krieg, der die ganze Welt erfasst hatte, 111 Millionen Soldaten unter Waffen stehen könnten.

Als am 08. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht der wohl größte Vernichtungskrieg aller Zeiten zu Ende ging, mussten in der ganzen Welt unzählige Opfer beklagt werden: 62 Millionen Todesopfer unter den Soldaten und in der Zivilbevölkerung und 20 Millionen Menschen waren aus ihrer Heimat vertrieben, deportiert oder zu Zwangsarbeit verschleppt worden. Die Sowjetunion verlor über 20 Mio. Menschen, davon waren etwa 7 Mio. Zivilisten. Deutschland hatte 5,25 Mio. Tote und 500.000 Zivilisten zu beklagen. In Polen kamen 4,5 Mio. Soldaten und 4,2 Mio. Zivilisten zuzüglich 1,5 Mio. in von der SU annektierten Gebieten um, in Jugoslawien fielen 1,7 Mio. Soldaten und 1,28 Mio. Zivilisten, in Frankreich 810.000 Soldaten und 470.000 Zivilisten, in Großbritannien 386.000 Soldaten und 62.000 Zivilisten, in den USA 259.000 Soldaten, in Japan 1,8 Mio. Soldaten und 600.000 Zivilisten. Die chinesischen Verluste schätzt man auf etwa 9 Mio. Menschen. Von allen Opfern war etwa die eine Hälfte als Soldaten im Kampf gefallen (33 Mio.), die andere waren Opfer der Zivilbevölkerung (29 Mio.).

Großes Elend, Not und Hunger waren in allen Ländern noch Jahre danach die Folge dieses schrecklichen Krieges.

Der Bombenkrieg zerstörte in Deutschland rund 1,63 Mio. Gebäude, über 500 Baudenkmäler von hohem Rang und machte 7,5 Mio. Menschen obdachlos.

In der UdSSR wurden durch Kampfhandlungen 1710 Städte und Siedlungen, 70.000 Dörfer und Ortschaften und über 6 Mio. Gebäude zerstört.

 

Der so von Deutschland verlorene 2. Weltkrieg, welcher noch mehr Schrecken in der gesamten Welt, auch unter der Zivilbevölkerung, hatte, führte zu einer gänzlichen Neukonzeption der Gestaltung der Mahnmale -  wie man sie nun auch nannte - als Stätten der mahnenden Erinnerung an die Opfer der Gewalt und des Terrors. Aus gebührender Gesinnung fand man zurück zu zeitlosen Formen, die in ihren Aussagen und Bedeutungen auch spätere Geschlechter noch anzusprechen vermögen.

Ob sie nun Ehrenmal, Kriegerehrenmal, Kriegerdenkmal, Kriegergedächtniskapelle, Mahnmal oder wie auch immer genannt werden, eines ist diesen Monumenten immer gemeinsam: Gedenken und Ehrung der Gefallenen und Vermissten aller Kriege, insbesondere der beiden Weltkriege, ebenso der vielen Toten in der Zivilbevölkerung. Sie erinnern und mahnen uns wachsam zu sein. Denn solche Kriege dürfen nicht wieder vorkommen.

Nicht zuletzt deswegen regte bereits im Jahre 1920 der „Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge” den „Volkstrauertag” an, der ab 1925 am zweiten Fastensonntag, dem Sonntag Reminiscere (fünfter Sonntag vor Ostern) als Gedenktag an die Opfer des 1. Weltkrieges begangen wurde.

 

Ab 1934 ist der Volkstrauertag von den Nationalsozialisten durch den „Heldengedenktag“, einem nationalen Feiertag mit größtem propagandistischem Effekt ersetzt worden, wobei die Trauer um den Verlust der Menschen durch das Gedenken an die zu Helden stilisierten Gefallenen absichtlich verdrängt werde sollte.

Der Volkstrauertag ist heute, seit 1945 das ursprüngliche Anliegen erneuert worden ist, ein bundesweiter Trauertag zum Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus und der Toten der beiden Weltkriege. Er wird zwei Sonntage vor dem 1. Advent begangen.

Seit dem 27. Januar 1997, als der damalige Bundespräsident Roman Herzog anlässlich des Tages der Befreiung der Insassen des KZ Auschwitz diesen Tag zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ausrief, haben wir alljährlich wiederkehrend einen zweiten „Nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus und der Toten der beiden Weltkriege“. Dieser ist allerdings nicht von nationaler Bedeutung.

 

Auch in den meisten unserer sauerländischen Gemeinden waren bereits nach dem siegreichen Feldzug gegen Frankreich (1870/71) Ehrenmale für die Gefallenen errichtet worden, mancherorts sogar schon vorher. Doch nach dem 1. Weltkrieg wurden in fast allen Gemeinden auf einem markanten Platz Ehren- und Mahnmale aufgebaut. Oft waren es  heimgekehrte Soldaten, die aus Freude ihrer Heimkehr, zur Erinnerung an ihre gefallenen Kameraden und zur Mahnung folgender Generationen mit Hilfe der örtlichen Kriegervereine diese Mahnmale erbauten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich dieser Trend verstärkt fort, bzw. hat man die Ehrenmale um die Namen der Gefallenen und Vermissten des Zweiten Weltkrieges ergänzt oder entsprechende Anbauten gemacht.

Bei den meisten dieser Vorhaben engagierten sich die örtlichen Kriegervereine, die sich nun Kameradschaftsvereine oder Soldatenkameradschaften nannten, sehr stark und stellten neben ihrer Eigenleistung oftmals auch das nötige Geld zur Verfügung oder brachten es durch Sammlungen auf.

Noch heute findet am Volkstrauertag zu Ehren der gefallenen und vermissten Soldaten sowie der Opfer aller Kriege eine Gedenkmesse mit Feierstunde und anschließender Kranzniederlegung vor den Ehren- und Mahnmalen statt.

 

Zu besonderen Anlässen, wie z.B. bei Schützenfesten, wird von den Schützenvereinen und anderen Vereinen der Kriegsopfer gedacht und ein Kranz niedergelegt.

Das alles wird neben der Ehrung und des Gedenkens an die Opfer aber auch zu einem nicht unwesentlichem Teil zur Mahnung an die Lebenden gemacht. Es soll damit vor allem die jüngere Generation daran erinnert werden, dass Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen immer zu Lasten des Volkes gehen und nie wieder stattfinden sollten!

 

In der Stadt Sundern befinden sich Ehren- und Mahnmale in den Ortsteilen Allendorf, Altenhellefeld, Amecke, Endorf, Enkhausen, Hachen, Hagen, Hellefeld, Hövel, Langscheid, Linnepe, Meinkenbracht, Stemel, Stockum, Sundern und Westenfeld. Sie alle haben ihre Geschichte und werden von der Stadt unterhalten, d.h. gepflegt und repariert.

In neuerer Zeit verpachtet, bzw. überlässt die Stadt einige Ehrenmäler örtlichen Vereinen, so z.B. in Hellefeld dem dortigen Kameradschaftsverein, in Amecke der Kameradschaft Amecke. So sollen die Vereine mehr und mehr die Pflege der Ehrenmäler übernehmen und somit zur Entlastung der Stadt Sundern beitragen.

 

 

 

 


Ein gelungenes Beispiel für ein Ehrenmal der neueren Zeit:
das Ehrenmal in Ense-Niederense mit Ehrenwachen der
Reservistenkameradschaft Sundern bei der Einweihung 1999

(nachzulesen im Buch: Heinemann, "Ehren-und Mahnmale in der Stadt Sundern", Sundern, November 2005)

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